Neues Konferenz-Paper: Anforderungen an den Digitalen Produktpass (DPP) zur Förderung der Kreislaufwirtschaft

Eine Betrachtung der Anforderungen an den DPP aus verschiedenen Blickwinkeln für eine breite Anwendbarkeit

15.11.2022

Potentielle Nutzer des Digitalen Produkt Passes (DPP) (Plociennik 2022)

Aktuell werden bislang nur ca. 16 % der für die deutsche Wirtschaft benötigten Rohstoffe durch Sekundärrohstoffe gedeckt. Unter Anderem aufgrund eines fehlenden oder ungenügenden Informationsautsausches zwischen den Akteuren der unterschiedlichen Lebensphasen eines Produkts. So ist es auf Seite der Entsorgungswirtschaft äußerst schwer, Vorhersagen über Quantitäten und Qualitäten der zu erwartenden Stoffströme zu erhalten. Aufgrund der zentralen Aufgabe der Entsorgungswirtschaft für den Hygiene- und Umweltschutz zu sorgen, können Reyclingmaterialien und Sekundärrohstoffe zum Teil höheren Anforderungen beispielsweise bezüglich der Prüfung von Inhaltstoffen und Herkunftsnachweisen gegenüber den Primärrohstoffen unterliegen. Diese Informationslücken und Unsicherheiten können zum hohen ungenutzten Recyclingpotential in Deutschland beitragen.

Bei dem sogenannten Digitalen Produktpass (DPP) handelt es sich um ein Konzept zur Sammlung und Weitergabe produktbezogener Informationen entlang des Lebenszyklus eines Produkts. Ziel ist es, allen Beteiligten während des Produktlebenszyklus die Informationen zur Verfügung zu stellen, die sie benötigen, damit eine erfolgreiche Kreislaufwirtschaft umgesetzt werden kann. Gegenwärtig werden verschiedene Arten von DPPs entwickelt, die meisten davon sektorspezifisch. Bis heute gibt es jedoch keinen gemeinsamen Standard dafür, wie ein DPP aussehen sollte, z.B. welche Informationen nötig sind, um die Schließung von Materialkreisläufe zu ermöglichen und welche praktische Anwendung diese Informationen finden können. Einen ersten Ansatz soll hierzu die Publikation “Requirements for a Digital Product Passport to Boost the Circular Economy” des Projektkonsortiums RecircE liefern. Sie wurde in der Digitalen Bibliothek (GI Digital Library, GI-DL) der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) unter der Auflistung P326 und auf ResearchGate veröffentlicht. Hierbei werden die unterschiedlichen Anforderungen aus verschiedenen Blickwinkeln mit dem Ziel einer breiten Anwendung betrachtet.

Das Projekt RecircE – „Digital Lifecycle Record for the Circular Economy – Transparente Gestaltung von Stoffkreisläufen und Optimierung von Abfallsortierung mithilfe von Künstlicher Intelligenz“, gefördert durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), untersucht wie natürliche Ressourcen mit Hilfe des digitalen Produktpasses eingespart und Materialkreiläufe geschlossen werden können. Dazu beinhaltet das Projekt sowohl konzeptionelle als auch IT-basierte anwenderorientierte Lösungen, unter anderem:

  • die Entwicklung eines cloudbasierten DPP zur verbesserten Weitergabe von Produkt-Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes, und
  • die Nutzung der DPP-Informationen für die Sortierung zur Ermittlung ökologisch nachhaltigeren Sortierprozessen z.B. Vergleich von Sortiervorgängen.