Mit vielfältigen Exkursionen zurück – Der Kurs Kreislauf- und Abfallwirtschaft

30.08.2022

Teilnehmende aus drei Jahrgängen des Moduls an der Exkursion zum Industriepark Höchst

Nach einer pandemiebedingten Pause konnten wir im Rahmen des Moduls „Kreislauf- und Abfallwirtschaft“ im Sommersemester 2022 mit den Studierenden der letzten drei Jahrgänge endlich wieder Exkursionen zu zahlreichen interessanten Zielen im Themenkomplex der Ressourcen und Abfälle durchführen, um den wichtigen Bezug der theoretischen Lerninhalte zur Praxis erfahrbar zu machen.

Eröffnet wurde das Semester mit einer Exkursion zum Fraunhofer IWKS (Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS) im bayerischen Alzenau, eine wichtige Forschungseinrichtung für die Entwicklung von Recyclingprozessen. Kernstück der Führung war die modular aufgebaute Sortieranlage aus verschiedenen Sortieraggregaten zur Trennung von Kunststoffen, Metallen und der Siebung. Dabei konnten die Teilnehmenden die Sortierung verschiedenster selbst mitgebrachter Verpackungen aus dem Gelben Sack live erleben

Im Bereich der Abfallbeseitigung angesiedelt war der Besuch der Deponie der AWS (Abfall-Wirtschafts-Service GmbH) in Büttelborn, bei dem wir unter anderem den imposanten Deponieberg aus Abfällen, Aschen und Deckschichten befahren konnten, von wo sich ein toller Ausblick auf die Rhein-Main-Ebene bot. Bei der Rhein-Main Biokompost GmbH in Frankfurt am Main erlebten wir mit allen Sinnen die kombinierte Gewinnung von Biogas und Kompost. Gestartet bei der Anlieferung der Bioabfälle ging es durch die Anlage weiter, entlang des Weges der Abfälle: von der mechanischen Aufbereitung, über die Entfernung von Metallen und Kunststofftüten und die Biogasherstellung im Fermenter bis hin zur Kompostierung der Gärreste. Im Juni öffnete das Unternehmen MEWA in Rodgau seine Türen für uns. Als mittelständischer Anbieter ist die Vermietung von Industrietextilien ein Hauptgeschäftsfeld. Die Industrietextilien werden an Unternehmen jeglicher Größen und Branchen verliehen, nach Benutzung abgeholt, gereinigt, ggf. repariert oder ersetzt und wieder ausgeliefert. Ein spannender Ausblick auf den stattfindenden Wandel vom Besitzen zum Nutzen. Spannend war der Einblick in die hochdigitalisierten Lösungen logistischer Konzepte und die dennoch erforderlichen Umfänge manueller Arbeit.

Die Papierfabrik Sappi in Stockstadt gab uns in diesem Jahr den Einblick in die außerordentlichen Dimensionen der Papierproduktion vom Baumstamm zum Formatpapier. Die beeindruckendsten Bestandteile dieses inzwischen 120 Jahre alten Standorts sind mit Sicherheit die gigantischen Papiermaschinen bei denen ein schier endloser Strom an Papier entsteht. Die Kombination aus altehrwürdigen Backsteinbauten und modernen Hallen hat dabei einen ganz besonderen Charme.

Ein Highlight war die einmalige Gelegenheit, die Rückbauanlage des ehemaligen Kernkraftwerks Biblis zu besichtigen. Mit einer umfangreichen Schutzausrüstung, überwacht durch persönliche Dosimeter und unter Beachtung eines speziellen Sicherheitsprozederes wurde die Gefahr einer Strahlenbelastung für die Teilnehmenden minimiert. Im Inneren der riesigen Stahlkugel von Reaktorblock A wurde uns der Umfang des Vorhabens bewusst, dieses riesige Konstrukt in fast handgerechte Stücke zu zerlegen, um sie ggf. reinigen, „freimessen“ und die Materialien dem Wirtschaftskreislauf wieder zuführen oder sicher deponieren zu können.

Den Abschluss der diesjährigen Exkursionen des Moduls machte der Besuch des Industriepark Höchst. Der Fokus der Exkursion lag auf der Abfallbehandlung und -beseitigung sowie der Gefahrenabwehr. Interessant waren die Einblicke in die mobilen Messfahrzeuge für austretende Gefahrstoffe sowie in die Behälterreinigung. Die Vielfalt an Infrastruktur aus Kraftwerken, Verbrennungsanlagen, Ver- und Entsorgungsleitungen, Transportlogistik und vielem mehr, zeigten die komplexen Zusammenhänge eines solchen Standortes auf. Als kulturellen Abschluss haben wir das expressionistische Backsteingebäude des Peter-Behrens-Baus besichtigt.

Ein ganz besonderer Dank gilt den Unternehmen, die diese Besuche ermöglicht haben und ganz konkret all jenen, die durch ihre Organisation, Vorträge und Führungen lebendige Einblicke in ihre Unternehmen und Tätigkeiten gegeben haben.

Ansprechperson: Malte Vogelgesang, M.Sc.